30 Jahre Bomberman

von retrodadler

Der charmante Fernsehkopf mit der ausgeprägten Sympathie für bombige Überraschungen wird 30 Jahre alt! Zu diesem Anlass spendiert ihm die N-Zone in ihrer aktuellen Ausgabe (09/2014) ein mehrseitiges Feature. Grund genug, auch an dieser Stelle über die Serie im gewohnt persönlichen Touch zu resümieren.

Bomberman

Fernsehschädel wird 30

1983 unter der Ägide von Hudson Soft als Eric and the Floaters geboren, trat Bomberman in den folgenden Dekaden seinen Siegeszug auf den verschiedensten Systemen an. Das 1987 für den NES erschienene ‚Ur’-Bomberman definierte jedoch das Spielprinzip der Reihe: Durch das geschickte platzieren von Bomben gilt es, sowohl von der CPU gesteuerte Gegner als auch menschliche Kombattanten aus dem Weg zu räumen. In dabei gesprengten Gemäuern finden sich wertvolle Items. In der Grundvariante, die auch im Mehrspielmodus dominiert, sind dies die Option, mehr Bomben gleichzeitig zu legen, deren Feuerkraft zu erhöhen, ihre Zündung manuell zu redigieren, sie zu kicken und, und, und.

Über die Softwarestreuung der Bomberman-Reihe war ich selbst überrascht. Dutzende Spiele wurden in den vergangen Dekaden auf den Markt gespült. An das Gameboy-Crossover mit Wario (!) aus dem Jahre 1994 kann ich mich dunkel vom Hörensagen erinnern. Perlen wie die die X-Box-360-Prämiere Bomberman: Act Zero indes gingen vollends an mir vorbei. Auch Experimente wie das 2005 veröffentlichte Bomberman Hardball für die PS2 – eine Sportspielsammlung in Disziplinen wie Golf und Baseball – führen eher zu Amüsement. Sie belegen, weshalb die über Konsolengenerationen aufrechterhaltende Qualität von Serien wie Super Mario – trotz aller Ausflüge in Nachbargenre – Seltenheitscharakter besitzen.

Eine fundierte Listung der Bomberman-Titel in chronologischer Reihenfolge findet sich wie gesagt in der N-Zone 09/2014. Hier soll das Augenmerk jedoch auf meinen persönlichen Erfahrungen mit dem martialisch anmutenden Charakter liegen.

Irgendwann in den Vorboten der Jahreswende 1998 flimmerte folgender Spot für Bomberman Hero auf meiner Mattscheibe:

 

Die hier zu sehende angloamerikanische Textversion wurde ins Deutsche übersetzt – und hat sich tief in meine Hirnwindungen eingebrannt: „Bomberman, Bomberman, wirft die Bomben souverän. Abenteuer inspirieren, bis sie im Level explodieren, Bomberman…“

Ich stand damals unter dem Eindruck meines ersten 3D-Mario-Ausflugs in Super Mario 64. Trotz dieser Referenz – andere Hüpfer wie Yoshi’s Story oder Starshot (beide N64) sollten an meinen überbordenden Erwartungen scheitern – liebte ich das Spiel. In Unkenntnis über die Geschichte und das ursprüngliche Spielprinzip sah ich darüber hinweg, dass Bomben in der dreidimensionalen Landschaft nur schwerlich ihr Ziel fanden. Auch die Trägheit der Kameraführung erregte nicht meinen Zorn. Bomberman muss in dem Spiel mehrere Planeten – säuberlich unterteilt in Stages und Unterlevel – erkunden. Es handelt sich um einen typischen Jump’n’Run-Titel, dessen Anforderungen von Level zu Level steigen und in beinharten Bosskämpfen kulminieren.

Ich war sofort angefixt. Auf meinem neu erworbenen Game Boy Color durfte Pocket Bomberman (ebenfalls 1998) nicht fehlen. Auch hier verwendete Hudson Jump’n’Run-Elemente – und bot „ein ähnliches Minigame“ wie Doodle Jump! auf den heutigen Smartphones – nur elf Jahre zuvor (N-Zone 09/2014, 75). Gleichsam alterte das Spiel vergleichsweise schlecht. Als ich das Modul vor ein oder zwei Jahren erneut in den Schacht schob, kam die ursprüngliche Magie zu keiner Zeit auf. Ganz anders die Einschätzung der Fachpresse: erhielt das Spiel von der N-Zone (10/1998) stabile, aber nicht überragende 83%, äußern sich die Redakteure in der aktuellen Monatsnummer überrascht über die damalige Qualität. Vor allem der geglückte Genrewechsel und die ordentlich implementierte 3D-Grafik werden angeführt.

Während der Gamecube-Ära flaute meine Begeisterung ab. Weshalb ich das recht interessant anmutende Bomberman Generation – laut Wikipedia übrigens geplant als Neubearbeitung von Eric and the Floaters – nie ausprobierte, bleibt fraglich. Zu frühen Wii-Zeiten wurde meine Neugierde jedoch neu entflammt. Via Virtual Console lud ich mir Bomberman ´93 – ursprünglich erschienen auf dem Turbografx (PC Engine). Hier einige Longplay-Eindrücke des Einzelspielermodus:

 

Über zwei Jahrzehnte mussten ins Land ziehen, bevor ich in den Genuss kam, das klassische Bomberman-Feeling im Mehrspieler-Modus auszukosten. Fünf erwachsene Menschen (ja, das Spiel verfügt über einen Fünfspielermodus) sitzen verzückt vor einem 20 Jahre alten Spiel und können es kaum aberwarten, einander gepflegt in die Luft zu jagen. Stundenlang. Was für Freuden werden dadurch freigesetzt, Barrieren in die Luft zu sprengen, Items zu sammeln und zuletzt die Spielfiguren seiner Freunde ins Jenseits zu schicken? Eine größere Multiplayer-Freude verspürte ich höchstens bei Mario-Kart-Ablegern.

Herzlichen Glückwunsch, Bomberman!

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